Kinderfest, Stadtfest, ,,Halb Acht": Wenn andere in Giengen feiern gehen, schieben sie Sanitätsdienst, um für Sicherheit und im Ernstfall für medizinische Betreuung zu sorgen: die Ehrenamtlichen des Deutschen Roten Kreuzes in Giengen. Oft mit dabei sind Annika und Benjamin Binder. Die beiden haben sich über das DRK kennengelernt, sind mittlerweile verheiratet und haben drei Töchter.
Im Alltag der beiden spielt das Ehrenamt eine große Rolle. Beide gehören zur „Helfer-vor-Ort"-Gruppe in Giengen. Benjamin Binder ist zusätzlich der Giengener Bereitschaftsleiter, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und engagiert sich zudem bei den „Helfern vor Ort" in Herbrechtingen. ,,Man wächst da irgendwie hinein", sagt Binder. Ein Schulfreund habe ihn irgendwann einmal mit zu einem Treffen des DRK genommen. Der Schulfreund ging wieder, Binder blieb und ist seit 25 Jahren in Giengen dabei. Ein Leben ohne das DRK können sich weder Annika noch Benjamin Binder mehr vorstellen.
Einer Dienst, einer zuhause
Und das, obwohl das Ehrenamt natürlich auch mit einem großen zeitlichen Aufwand einhergeht. Das Paar, das in Bolheim wohnt, hat drei Töchter im Alter zwischen drei und elf Jahren. Teilweise mehrmals pro Woche ertönt der Piepser und ruft zu einem Notfall. ,,Wir entscheiden dann spontan, wer rausfährt und wer bei den Kindern bleibt", erzählt die 34-jährige Annika Binder. Auch die Sanitätsdienste bei Festen, Feiern, bei FCH-Spielen oder im Giengener Bergbad machen die beiden nie gemeinsam: Einer übernimmt den Dienst, einer bleibt zuhause.
Mehr als 100 solcher Dienste leisten die Ehrenamtlichen des Giengener DRK im Jahr, verteilt auf Veranstaltungen im ganzen Landkreis. Reicht die Zahl der Ehrenamtlichen da aus? ,,Es wird immer schwieriger", gibt Benjamin Binder zu. 49 Mitglieder hat das Giengener DRK, 30 davon sind aktiv. Nachwuchs zu finden, sei nicht einfach. ,,Die Feuerwehr hat es etwas leichter. Die arbeiten mit coolen, großen Geräten. Das zieht eher bei den Kindern und Jugendlichen. Beim DRK arbeiten wir direkt am Menschen." Genau das aber gefällt beiden an ihrer Tätigkeit: Menschen in Not zu helfen. Dabei muss es nicht immer der dramatische Notfall sein. Manchmal helfen schon ein Pflaster und ein paar beruhigende Worte.
Die Sanitätsdienste, die von den DRKlern geleistet werden, unterscheiden sich teils erheblich. Es macht eben einen Unterschied, ob man nachmittags im Bergbad aufpasst oder zu später Stunde auf einem Stadtfest: Alkohol, Aggression, Streitereien, Körperverletzung. ,,Leider beobachten wir, dass das in den letzten Jahren zugenommen hat", sagt Benjamin Binder.
Der Sommer 2026 war extrem heiß. Interessanterweise haben hitzebedingte Einsätze beim DRK dennoch nicht zugenommen. ,,Ich glaube, das liegt daran, dass die Leute in diesem Jahr automatisch mehr auf sich aufgepasst haben", glaubt der 41-jährige Bereitschaftsleiter.
Ehrenamt im Blut
Das Ehrenamt ist den beiden ins Blut übergegangen. Möglich also, dass auch ihre Kinder früher oder später einmal den Eltern nacheifern. ,,Ich glaube, das geht fast automatisch", sagt Benjamin Binder. ,,Man lebt ihnen vor, wie wichtig es ist, sich zu engagieren und Mitglied in einem Verein zu sein." Nachwuchs also fürs DRK? ,,Mal sehen", sagt Binder und lacht. ,,Die Große interessiert sich eher für die Feuerwehr."
Heidenheimer Zeitung vom 29.08.2026
