So gut wie menschenleer ist es schon, das Karl-Kaipf-Heim an der Herbrechtinger Mühlstraße. Die meisten Bewohner und Mitarbeiter haben im neuen DRK-Pflegezentrum auf dem Schlachthof-Areal in Heidenheim ihre neue Heimat gefunden. ,,Wir haben ihnen frühzeitig das Angebot gemacht und die meisten waren damit einverstanden", sagt DRK-Kreisgeschäftsführer Mathias Brodbeck. Ende Juni war der Umzug. Betrieb in Herbrechtingen ist jetzt nur noch in der Großküche. Laut Brodbeck wird am 30. September hier zuletzt für die vier DRK-Heime im Landkreis gekocht werden.
Dann wird der Generalunternehmer, die Franz Traub GmbH & Co. KG aus Aalen-Ebnat, das Karl-Kaipf-Heim im Oktober entrümpeln und danach - noch in diesem Jahr - abreißen. Direkt im Anschluss soll an gleicher Stelle der Neubau entstehen. Brodbeck rechnet mit einer Bauzeit von etwa eineinhalb Jahren, sodass die Fertigstellung bis Mitte 2028 realistisch ist.
Der Ersatzneubau sieht 60 Pflegeplätze im ersten und zweiten Obergeschoss vor. Im obersten Staffelgeschoss sind darüber hinaus zehn betreute Wohnungen geplant. Im Erdgeschoss werden unter anderem Verwaltungsräume, Räumlichkeiten für Mitarbeitende und eine Großküche entstehen, die dann auch wieder sämtliche DRK-Heime im Landkreis versorgen soll. Während der Bauzeit wird das DRK das Essen von einem externen Dienstleister beziehen. ,,Wir hätten gerne auch während dieser Zeit selbst gekocht, aber haben trotz intensiver Bemühungen keine Möglichkeit dafür gefunden", so Brodbeck. ,,Uns war aber wichtig, dass der Frischeanteil weiterhin hoch ist und wir unseren Bewohnern und Kunden im Bereich Essen auf Rädern weiterhin eine qualitativ sehr hochwertige Essensversorgung sicherstellen können. Ab Mitte 2028 werden wir im Neubau in Herbrechtingen dann wieder selber kochen."
17,1 Millionen Euro investiert das DRK in den Abriss und Neubau. Und das war auch dringend notwendig, denn das Karl-Kaipf-Heim ist zwar erst 35 Jahre alt, aber es war aus mehrerlei Gründen nicht mehr zeitgemäß. Als das Gebäude geplant wurde, wurden noch vorrangig Doppelzimmer eingebaut. Nach heute geltenden Regeln müssen Pflegeheime künftig aber Einzelzimmer für die Bewohnerinnen und Bewohner vorsehen. Sinnvoll umbauen hätte sich das Bestandsgebäude aber nicht lassen.
Energetische Katastrophe
Noch schwerer wog, dass das Haus eine Energieschleuder ist. Brodbeck spricht von einer „energetischen Katastrophe". Das Karl-Kaipf-Heim verbrauche im Betrieb doppelt so viel Energie wie das größere Heidenheimer „Haus der Pflege", das ebenfalls zum DRK gehört. Weil das Herbrechtinger Heim aber weitgehend aus Beton und Metall-Glas-Fassaden besteht, ließe es sich auch nur mit riesigem Aufwand dämmen. ,,Im Sommer war es zu heiß und im Winter zu kalt", sagt Brodbeck.
Mit der Realisierung des Ersatzneubaus investiere das DRK in die langfristige Sicherung eines modernen und attraktiven Pflege- und Betreuungsangebots in Herbrechtingen, so Brodbeck. ,,Wir sind dann wieder auf dem neuesten Stand." Er rechnet damit, dass einige der Bewohner und Mitarbeiter nach den eineinhalb Jahren Bauzeit in ihrem neuen Domizil in Heidenheim bleiben möchten. ,,Wer aber wegen der Familie und Freunden zurück nach Herbrechtingen möchte, dem werden wir das natürlich ermöglichen."
Daher kommt der Name
Auch der Neubau in der Mühlstraße wird nach Karl Kaipf benannt sein. Vor dem Seniorenheim stand an Ort und Stelle die Mühle der Familie Kaipf. Nach dem frühen Tod des Sohnes Friedrich Karl Kaipf (er wurde 1923 geboren und fiel 1945 im Krieg) übergab die Müllerfamilie 1990 das Grundstück an die Stadt Herbrechtingen mit der Bedingung, dort in der Zukunft ein Pflegeheim zu errichten.
Heidenheimer Zeitung vom 17.09.2026

